Citizen-Science-Projekt zur Ausbreitung der Gottesanbeterin in Brandenburg

Gottesanbeterin gesucht!

Portrait einer Gottesanbeterin, Foto: M. Altgott
Portrait einer Gottesanbeterin, Foto: M. Altgott
Portrait einer Gottesanbeterin, Foto: M. Altgott
Gottesanbeterinnen, hier ein Männchen, lauern auf der Jagd gern auf Blüten, Foto: M. Keller
Gottesanbeterinnen, hier ein Männchen, lauern auf der Jagd gern auf Blüten, Foto: M. Keller
Gottesanbeterinnen, hier ein Männchen, lauern auf der Jagd gern auf Blüten, Foto: M. Keller
Gut getarnt, lauert dieses Weibchen kopfüber auf Beute, Foto: M. Altgott
Gut getarnt, lauert dieses Weibchen kopfüber auf Beute, Foto: M. Altgott
Gut getarnt, lauert dieses Weibchen kopfüber auf Beute, Foto: M. Altgott
Die Nymphen der Gottesantbeterinnen sehen ihren Eltern schon sehr ähnlich und sind bereits geschickte Jäger, Foto: M. Keller
Die Nymphen der Gottesantbeterinnen sehen ihren Eltern schon sehr ähnlich und sind bereits geschickte Jäger, Foto: M. Keller
Die Nymphen der Gottesantbeterinnen sehen ihren Eltern schon sehr ähnlich und sind bereits geschickte Jäger, Foto: M. Keller
Eigelege einer Gottesanbeterin auf dem Schöneberger Südgelände in Berlin. Die Hülle schützt die Eier vor Wetter und physikalischen Einflüssen, Foto: M. Keller
Eigelege einer Gottesanbeterin auf dem Schöneberger Südgelände in Berlin. Die Hülle schützt die Eier vor Wetter und physikalischen Einflüssen, Foto: M. Keller
Eigelege einer Gottesanbeterin auf dem Schöneberger Südgelände in Berlin. Die Hülle schützt die Eier vor Wetter und physikalischen Einflüssen, Foto: M. Keller
Die Eigelege (Ootheken) werden auch an Gräsern abgelegt, wie hier bei Neustadt/ Dosse, Foto: M. Keller
Die Eigelege (Ootheken) werden auch an Gräsern abgelegt, wie hier bei Neustadt/ Dosse, Foto: M. Keller
Die Eigelege (Ootheken) werden auch an Gräsern abgelegt, wie hier bei Neustadt/ Dosse, Foto: M. Keller
Gottesanbeterin mit Beute: Aus ihren bedornten Vorderschienen gibt es kein Entkommen, Foto: M. Altgott
Gottesanbeterin mit Beute: Aus ihren bedornten Vorderschienen gibt es kein Entkommen, Foto: M. Altgott
Gottesanbeterin mit Beute: Aus ihren bedornten Vorderschienen gibt es kein Entkommen, Foto: M. Altgott
Gottesanbeterinnen bei der Paarung: Gut zu erkennen ist das schlankere Männchen auf dem Rücken des Weibchens, Foto: M. Altgott
Gottesanbeterinnen bei der Paarung: Gut zu erkennen ist das schlankere Männchen auf dem Rücken des Weibchens, Foto: M. Altgott
Gottesanbeterinnen bei der Paarung: Gut zu erkennen ist das schlankere Männchen auf dem Rücken des Weibchens, Foto: M. Altgott

Das Naturkundemuseum Potsdam und die Entomologen des Freundeskreises Mantidenfreunde Berlin-Brandenburg suchen nach der Europäischen Gottesanbeterin (Mantis religiosa). Ein gemeinsames Citizen-Science-Projekt soll Bürgerinnen und Bürger aus Brandenburg und Berlin aktiv an der Suche nach dem Insekt beteiligen. Hand in Hand mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen wird die Ausbreitung der Gottesanbeterin in der Region erforscht.

Unter 2.400 Fangschreckenarten kommt die in Südeuropa weit verbreitete Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) als einzige in Europa vor. Seit den 1990er Jahren breitet sich die Jägerin in Deutschland allmählich Richtung Norden aus. Ursprünglich wurde sie nur in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und im Saarland gefunden. Seit 1998 ist eine stabile Population in Berlin-Schöneberg bekannt. Es folgten Funde in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Inzwischen häufen sich die Nachweise auch in Brandenburg. Aus diesem Grund haben das Naturkundemuseum Potsdam und die Mantidenfreunde Berlin-Brandenburg das Citizen-Science-Projekt ins Leben gerufen. Aktuelle Brandenburger und Berliner Funde der Europäischen Gottesanbeterin sollen gesammelt und mitgetielt werden. Bereits 2018 Jahr wurden bundesweit über 180 Beobachtungen gemeldet, davon 51 Meldeungen aus Brandenburg.

In der Lausitz scheint die Gottesanbeterin derzeit am weitesten verbreitet zu sein. Ein weiterer Nachweis-Hotspot findet sich südlich von Berlin. In Berlin sind zwei Populationen bekannt. Die nördlichste Population in Brandenburg ist bei Neustadt/ Dosse. Aus vielen Teilen Brandenburgs liegen noch keine Fundmeldungen vor. Neben bekannten Vorkommen wurden zahlreiche neue Funde gemeldet, was dafür spricht, dass sich die Art in Brandenburg aktiv ausbreitet. Machen Sie mit und erforschen Sie mit uns die aktuell stattfindende Ausbreitung der Gottesanbeterin in der Region.

Wie kann ich Mitmachen?
Mitmachen können Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, die Interesse haben, sich mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen sowie ehrenamtlichen Entomologen an diesem aktuellen Forschungsprojekt zu beteiligen. Die Einsendung eines Fotos mit Fundort, Funddatum und Namen sowie Kontaktdaten des Fotografen reichen als Nachweis aus. Der Fokus des Projektes liegt auf Nachweisen der Gottesanbeterin in Berlin und Brandenburg. Weitere Funde aus Deutschland können auch gemeldet werden. Diese werden in der bundesweiten Erfassung der Art berücksichtigt. Damit keine Informationen verloren gehen, können Sie auch Hinweise aus der Lokalpresse melden. Am besten ist eine Kopie des Artikels mit Angabe der Ausgabe und der Zeitung. Schauen Sie bitte auch in Ihrem Fotoarchiv nach. Dort könnten möglicherweise Fotos des interessanten Tieres verborgen sein.

Wie erkenne ich eine Gottesanbeterin?
Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist die einzige Art in der Insektenordnung der Fangschrecken in Deutschland. Man kann sie eigentlich nicht mit anderen Insekten verwechseln. Sie sind grün bis bräunlich gefärbt. Gottesanbeterinnen besitzen einen sehr wendigen dreieckigen Kopf. Das auffälligste Merkmal sind aber die Vorderbeine, die zu kräftigen bedornten Fangbeinen umgebildet sind. Mit ihnen fängt die Gottesanbeterin ihre Beute, die vorwiegend aus Insekten und Spinnentieren besteht. Die Beine werden zwar auch zum Laufen und Klettern benutzt, werden aber in Ruhe- und Lauerstellung unter das verlängerte Halsschild angelegt. Diese typische Haltung gab den Tieren den Namen Gottesanbeterinnen. Die Weibchen sind etwa 7 Zentimeter groß. Die Männchen sind mit 5 bis 6 Zentimetern Körperlänge deutlich kleiner und wesentlich schlanker als die Weibchen. Die Nymphen, also die jungen Gottesanbeterinnen, sehen wie Miniaturausgaben der erwachsenen Tiere aus. Jedoch sind die Flügel erst komplett ausgebildet, wenn die Mantis religiosa erwachsen sind.

Wonach soll ich schauen?
Jegliche Nachweise der gut getarnten Lauerjägerin im Jahresverlauf sind für die Wissenschaft interresant. Neben Nymphen und erwachsenen Tieren sind die Eigelege (Ootheken) ein wichtiger Hinweis auf die Fortpflanzung (Reproduktion) der Art im Gebiet. Die Ootheken sind etwa bis zu 4,5 Zentimeter lange, ein Zentimeter breite und 1 Zentimeter hohe Eipakete. Die Eier werden in einem wie  hellbeigen bis hellbraunen bauschaumähnlichen aushärtenden Sekret eingebettet.

Wann soll ich suchen?
Für eine gezielte Suche nach erwachsenen Gottesanbeterinnen sind die Monate August und September am besten geeignet. Ootheken können das ganze Jahr gefunden werden. Sie sind sehr resistent und auch nach dem Schlupf noch einige Jahre vorhanden. Die Nymphen schlüpfen zwischen Mai und Juni. Die winzigen wenige Millimeter großen Schlüpflinge zu finden, ist wenig erfolgsversprechend. In warmen Jahren sind die Larven jedoch Mitte Juli schon recht groß. Im August sind die Tiere dann ausgewachsen und leben bis in den Herbst hinein. Sie legen ihre Ootheken und sterben mit dem ersten Frost. Im Frühsommer schlüpft dann eine neue Generation von Gottesanbeterinnen.

Wo soll ich suchen?
Die Europäische Gottesanbeterin ist eine Wärme und Sonne liebende Art. Sie kommt in gut besonntem Trockenrasenoffenland mit geringem Strauchbewuchs vor. Sie lebt im hohen Gras, an Stauden aber auch auf dem Boden. In Berlin und Brandenburg wurde die Art z.B. auf Brachen, an stillgelegten Bahntrassen, auf Truppenübungsplätzen und auf alten Tagebauflächen nachgewiesen. Die Nymphen kommen im gleichen Habitat vor und führen dieselbe Lebensweise wie ihre Eltern. In geschlossenen Wäldern kommt sie bei uns nicht vor. Bei der Ablage der Ootheken scheint es lokale Unterschiede zu geben. Es scheint, als ob die Tiere in Berlin ihre Eigelege vorzugsweise unter Steinen und an Bahnschienen anbringen, wohingegen Tiere aus natürlichen Grasfluren ihre Gelege in den unteren Bereichen an krautigen Pflanzen ablegen.

Was passiert mit meinen Daten?
Im Naturkundemuseum Potsdam werden die Meldungen in einer Datenbank erfasst. Gemeinsam mit den Mantidenfreunden Berlin-Brandenburg werden anschließend Verbreitungskarten erstellt. Anhand der Karten kann die Ausbreitung der Art über die Jahre hinweg nachverfolgt werden. Die aktuellste Verbreitungskarte für Berlin und Brandenburg erscheint auf der Website des Naturkundemuseums Potsdam.

Die Gottesanbeterin in Brandenburg
Ansprechpartner für Fundmeldungen und weitere Informationen zum Projekt:
Dr. Dirk Berger
Naturkundemuseum Potsdam
Breite Straße 13
14461 Potsdam
0331 289-6703
dirk.berger@rathaus.potsdam.de
sowie
Dipl.-Ing. Manfred Keller
Mantidenfreunde Berlin-Brandenburg
Löptener Str. 9
12305 Berlin
post@manfred-keller.de